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Prof. Dr. Hans-Rudolf Meier
Spolien
... in der Gegenwartsarchitektur
Die Wiederverwendung von Bauteilen im 20. und 21. Jahrhundert.
Wie kommt es, dass ein italienischer Palazzo in
verwaschenen Farben mit verwitterten Natursteinprofilen um die Fenster
uns emotional berührt und ein glatt verputztes, modernes Flachdachgebäude
mit Wärmedämmfassade und großflächiger Verglasung
nicht? Neuerdings steigt die Suche nach Möglichkeiten, zeitgenössischer
Architektur eine ausgeprägte Identität und „Leben“ einzuhauchen.
Dies wird u.a. versucht, indem Second-Hand-Bauteile mit deutlichen Gebrauchsspuren
als sogenannte „Spolien“ in einem neuen Bauwerk und anderen Zusammenhang
wieder eingebaut werden.
Einmal darauf aufmerksam geworden, trifft man auf eine erstaunliche Fülle
von Beispielen. Erklären lässt sich dieses Phänomen einerseits
mit der Suche nach unverfänglichen Formen des Ornaments, andererseits
mit einem verstärkten Ortsbezug. Verschiedene Verfahren in der Gegenwartsarchitektur
zeigen ein neues Interesse am Ornament, lassen aber zugleich erkennen,
dass man sich vom Bannstrahl der Moderne gegen das Ornament noch nicht
wirklich freigemacht hat.
Spolien bieten hier eine willkommene Möglichkeit, mit reichem Formenapparat
Akzente zu setzen, ohne selber Zierrat entwickeln zu müssen. Im Kontext
des in jüngerer Zeit gesteigerten Interesses am Ort leisten Spolien
einen Beitrag, um in einem tendenziell gleichförmigen Baugeschehen
einen Bezug zum konkreten Ort und seiner Geschichte zu schaffen.
Hans-Rudolf Meier, seit 2008 Professor für Baugeschichte und Denkmalpflege
an der Bauhaus-Universität Weimar untersucht seit einigen Jahren
dieses Phänomen und gibt anhand von Beipielen eine Einblick in verschiedene
Ansätze und ihre Hintergründe.
Hans-Rudolf
Meier, geb. 1956 in Zürich. Nach Berufslehre und Tätigkeit in
der Chemischen Industrie im 2. Bildungsweg Studium der Kunstwissenschaft,
Geschichte, Mittelalter-Archäologie und Ur- und Frühgeschichte
an den Universitäten Basel, Freiburg i.Br. und Zürich. 1988
Lizentiat in Kunstwissenschaft an der Universität Basel, danach ebd.
wissenschaftlicher Assistenz am Lehrstuhl für ältere Kunstgeschichte.
1992 Promotion zum Dr. phil. in Basel, danach Oberassistent am Institut
für Denkmalpflege der Eidgenössischen Technischen Hochschule
ETH Zürich, unterbrochen durch Rom-Aufenthalt als Mitglied des Schweizer
Instituts in Rom (1996). 2000 Habilitation zum Privatdozenten an der Philosophisch-Historischen
Fakultät der Universität Basel, danach Leiter eines Forschungsprojekts
des Schweizerischen Nationalfonds und Mitarbeiter an einem Nationalfonds-Projekt
des Mediävistischen Instituts der Universität Fribourg.
2003 Berufung auf die Professur für Denkmalkunde und angewandte Bauforschung
der Technischen Universität Dresden zum Aufbau und Leitung des postgradualen
Masterstudiengangs Denkmalpflege und Stadtentwicklung. Direktor des Instituts
für Baugeschichte, Architekturtheorie und Denkmalpflege der Fakultät
Architektur der TU Dresden. Seit 2008 Professor für Baugeschichte
und Denkmalpflege an der Bauhaus-Universität Weimar. Sprecher des
vom BMBF geförderten Forschungsverbunds ?Denkmal ? Werte ? Dialog?
Mitglied verschiedener Fachvereinigungen und Gremien (ICOMOS; 1. Vorsitzender
des Arbeitskreis Theorie und Lehre der Denkmalpflege e.V.; Kommission
für Kunstgeschichte Mitteldeutschlands an der Sächsischen Akademie
der Wissenschaften zu Leipzig; Landesdenkmalräte Sachsen-Anhalt und
Thüringen etc.)
Forschungen und Publikationen zur Architektur- und Kunstgeschichte insbesondere
des Mittelalters, zum Umgang mit den Relikten der Vergangenheit und zur
Fach- und Forschungsgeschichte sowie zur Theorie und Geschichte der Denkmalpflege.
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